Ein Unfall, eine Krankheit – und plötzlich bist Du nicht mehr entscheidungsfähig.
Wer handelt dann in Deinem Namen? Wer kümmert sich um Deine Finanzen, medizinischen Belange oder Dein Geschäft?
In dieser Folge erklärt Ursina Imobersteg, Paralegal bei SEQUOIA, was es mit dem Vorsorgeauftrag auf sich hat – und warum es sich lohnt, dieses Thema frühzeitig anzugehen.
Wir sprechen über:
- Was ein Vorsorgeauftrag ist – und wofür er gebraucht wird
- Welche Formvorschriften gelten (handschriftlich oder öffentlich beurkundet?)
- Was passiert, wenn kein Vorsorgeauftrag vorhanden ist
- Wie Du sicherstellst, dass Deine Werte und Vorstellungen respektiert werden
- Und warum Vorsorge nicht nur etwas für ältere Menschen ist
Eine Folge für alle, die mitdenken – und vordenken
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Host: Milena Reinle
Gast: Ursina Imobersteg, Paralegal
Transcript
[0:00] Was ist ein Vorsorgeauftrag und ab wann sollte man sich darum kümmern? Was genau muss dort hinein und wer muss da überall instruiert sein? Wieso ist es so wichtig? All das gibt es in dieser Folge. Hey, das ist mir Lena, host im Podcast Kaffee und Paragraphen. Und jetzt, zweite Jahreshälfte, widmen wir uns einem Thema, das wir eigentlich schon viel früher erzählen hätten. Eigentlich schon gestern, weil das Thema Vorsorgeauftrag kann nicht genug früh angegangen werden. Hoi, Ursina. Hi, Milena. Ja, es ist Sommerwetter, aber wir haben ein bisschen von einem traurigen Thema. Ja, also gut, es ist ja eigentlich, wenn man es ja angeht, es ist ja noch nicht traurig. Es ist einfach, wenn mal irgendwann eben nicht mehr die Voraussetzungen erfüllt sind, dass man ja selbstständig handeln kann und entscheiden kann. Für das tut man sich ja einen Vorsorgeauftrag aufsetzen lassen. Genau, ja. Es ist ein schwieriges Thema für gewisse Leute. Das musste ich auch bei meinen Eltern feststellen, dass es schwierig ist, über dieses Thema zu sprechen. Ich möchte euch heute gerne einen Einblick geben in einen Vorsorgeauftrag. Was genau ist das? Wann kommt das zum Einsatz?
[1:11] Ganz wichtig in diesem Thema ist die sogenannte Urteilsfähigkeit. Das Gesetz sieht die Urteilsfähigkeit eigentlich ab einem gewissen Alter, in dem du in der Lage bist, dass du die Konsequenzen von deinem Handeln siehst. Das ist eine Tour deines Fähigkeiten. Als Kind natürlich noch nicht so ganz. Als Teenager, in meinem Fall definitiv nicht. Nein. Man wird schon eher erwartet. Und nachher eigentlich ab dem Erwachsenenalter gibt es die sogenannte Urteilsfähigkeit. Das heisst, wenn du etwas machst, bist du dir bewusst, dass Konsequenzen sind. Ja. Grundsätzlich gesehen. Und Urteilsfähigkeit ist auch wichtig für deine Handlungsfähigkeit. Du musst ja einerseits volljährig sein und andererseits urteilsfähig. Und wenn du handlungsfähig bist, kannst du zum Beispiel Verträge abschliessen, Du kannst Häuser kaufen, Kredite aufnehmen, also in die Arbeitswelt einretten, ohne dass noch jemand FITs unterschreibt, jetzt wie zum Beispiel bei einem Lehrvertrag. Weil die Eltern aber noch nicht müssen unterschreiben. Ja, genau. Und ausgenommen bist du ja nachher in dem Moment, wenn du eben bevormundet bist. Das gibt es natürlich auch einen ganzen Klassiker, wenn du betrunken bist, sagt mir auch viel, du bist nicht muttersfähig. Ja, stimmt. Oder wenn du doch emotional sehr aufgeheizt bist oder in einem Ausnahmezustand. Genau, das alles ist etwas, was die Urtagsfähigkeit angreift. Das ist im Recht immer ein sehr wichtiges Thema. Weil so die Strafmassen meistens, wenn es so ein bisschen strafrechtliche Sachen festhält, bist du überhaupt urtagsfähig seit dem Zeitpunkt oder nicht.
[2:40] Und was alles kann ich mit so einem Vorsorgeauftrag überhaupt regeln? Ich meine, es klingt schon, ich sorge vor für irgendeinen gewissen Zeitpunkt, aber ab wann tritt dann der ein und was genau beinhaltet den? Der Vorsorgeauftrag fällt an in dem Moment, in dem man selbst nicht mehr urteilsfähig ist. Das heisst, sei es zur Krankheit, sei es zum Beispiel auch nach einem Unfall, wenn man in den Komma liegt, oder sei es jetzt im Alter mit Demenz oder weil man nicht mehr mitmacht – das ist so der klassische Fall, sage ich mal – verliebt man irgendein Urteilsfähigkeit. Und wenn man einen Vorsorgeauftrag hat, kann man dort festlegen, wer zu einem schaut. Das heisst, man kann zum Beispiel die Kinder festlegen, was immer eigentlich den meisten Sinn macht, weil sie noch etwas jünger sind und dann wirklich die Möglichkeit haben, das Amt auch längerfristig auszuführen. Und die können dann im Auftrag und im Namen von dem, was den Vorsorgeauftrag gemacht hat, die ganzen administrativen Tätigkeiten ausführen, Rechnungen zahlen, Verträge unterschreiben und schauen, dass diese Alltagsgeschäfte erledigt werden.
[3:51] Sie sind auch verantwortlich, dass sie das medizinische, sie können auch Entscheidungen treffen, sei es zum Beispiel, ob man lebenserhaltende Massnahmen abstellen soll. All diese Entscheidungen fallen dann auch auf die vorsorgebeauftragte Person.
[4:06] Und definiere ich in diesem Fall aber auch in dem Vorsorgeauftrag, wie ich dort möchte, dass für mich entschieden wird oder definiere ich die Person, die das ausführt? Im Vorsorgeauftrag selber wird eine Person festgelegt, die das alles umsetzen sollte. Meistens sind es sogar mehrere. Ja, macht ja Sinn, du weißt ja nicht, wer verfügbar ist. Es gibt dann so eine Rangabfolge in der ersten Linie, in der zweiten Linie, in der dritten Linie, was der Wunsch ist. Es gibt dann noch die Möglichkeit, dass man eine Kombination zwischen Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung machen kann. Und mit der Patientenverfügung kann man die ganzen Sachen festhalten, wie sieht es aus mit lebenserhaltenden Massnahmen, wann soll man bloß gesagt Stecker ziehen, darf man wieder Belebungsmassnahmen vornehmen, also das tut man in der Patientenverfügung festhalten, wenn es keine Patientenverfügung gibt, entscheidet dann die Vorsorgebeauftragte Person. Und wo ist dann so ein Vorsorgeauftrag hinterlegt? Wie weiss ich zum Beispiel als Spital, an wer ich mich jetzt wenden muss? Also wenn man es notariell beglaubigen lässt, und das ist nachher eben wegen der Formvorschriften, die der Vorsorgeauftrag hat, noch schnell klammert, merke ich ganz wichtig, entweder handschriftlich oder aber notariell beglaubigt. Damit es gültig ist. Damit es gültig wird und umgesetzt werden kann.
[5:28] Wenn er notariell beglaubigt ist, ist er hinterlegt. Das heisst, in dem Moment, wo die Urteilsunfähigkeit in Kraft tritt, wird er nachher umgesetzt und dann wird die Person beauftragt. die dort drin festgelegt ist. Wenn man einen selber handschriftlich macht und zu Hause hat, ist es wichtig, dass irgendjemand weiss, vor allem die vorsorgebeauftragte Person, die er ist. Im Falle meiner Eltern liegen sie sogar bei mir zu Hause.
[5:54] Das heisst, wenn ihnen irgendetwas ist, also wenn sie nicht mehr urteilsfähig sind, wenn der zum Zug kommt, kann ich den Vorausschubladen gehen und kann mit dem aktiv das Amt anretten. Es ist auch gut zu wissen, wenn dir irgendjemand festlegt in diesem Vorsorgeauftrag, die müssen diesen Auftrag nicht automatisch annehmen. Das heisst nicht, dass die Person, die festgelegt ist, dazu gezwungen wird, dass sie das Amt ausführt, sondern es gibt dann auch vor KESP, wird sie angefragt, es sei dahinter leid, gemäss Wunsch, und dann kann man immer noch Ja oder Nein sagen. Je nachdem in welcher Situation, dass man sich selber auch gerade befindet, kann man das dann nochmal abwägen, wie man sich das jetzt wirklich zutraut. Das klingt ja manchmal einfacher, als es ist. Es ist ein rechter Aufwand, also ich glaube, man sollte es dann nicht wirklich unterschätzen. Es ist auch gut, wenn man sich dann Gedanken darüber macht, ob man Kapazität im Moment hat Und auch weiss, ob man die Wünsche kennt, sage ich jetzt mal, von dem, was man dann vertritt, gegen aussen. Und es ist auch immer wichtig und empfehlen das, man kann ja, das ist ja ein Wunsch von dieser Person. Ich würde aber immer mit denen, die dort drinnen festhalten oder die die Ämte übernehmen oder darüber reden sollten. Also es empfiehlt sich wirklich, nicht einfach irgendeinen Vorsorgeauftrag aufzusetzen und irgendwie drischieben meine Tochter übernimmt das, sondern mit der Tochter zusammensitzen und darüber diskutieren, wie es aussieht, was sie wünschen, was will man gerne.
[7:18] Ein klassisches Beispiel ist auch mit Liegenschaften oder so. Wenn man jetzt wirklich eine längere Route an so ein Feig ist, soll man dann die Liegenschaften irgendwie verkaufen oder soll man zu ihnen schauen. Einfach, dass man wirklich mal über das Thema spricht und dass die Person auch weiss, was sie machen kann. Dann natürlich auch gut darüber informieren, wo man gewisse Sachen findet, so E-Banking-Verträge oder dass man halt wirklich arbeiten kann, das ist auch noch so. Dass man wirklich so eine Vorbereitung hat, wo man sagt, okay, alles rund um Finanzen ist dort, alles rund um Sachen, die einem gehören, Verbindlichkeiten für den Dreh, wo man eingegangen ist, Sachen, wo man sich kümmert, dass man das mal zusammenstellt und auch ersichtlich macht für die Personen, die da darüber bestimmen müssen. Genau. Und jetzt kommen wir noch zu einem wichtigen Unterschied. Ein Vorsorgeauftrag hat nichts mit dem Testament zu tun. Der Vorsorgeauftrag läuft, solange die Person am Leben ist und einfach in diesem Sinne unheimlich urteilsfähig. Sei es vorübergehend, sei es langfristig, kommt immer auf die Situation an.
[8:21] Das Testament ist erst da, was nachher zum Zug kommt, wenn die Person verstorben ist. Also diese zwei Sachen haben nichts miteinander zu tun. Die muss man aufeinander trennt behalten. Nicht, dass man da bloß das Gefühl hat, wenn man jetzt Vorsorgebeauftragte ist, bist man dann auch gleich willensvoll strecken. Das sind wirklich unterschiedliche Sachen.
[8:40] Wir haben vorhin gesagt, es ist ein Thema, das wir früh, also eigentlich schon gestern, sollte angegangen sein. Eine Urtänsfähigkeit ist nicht erst im Alter. Eine Urtänsfähigkeit kann auch passieren, wenn man jünger ist. Durch einen Unfall oder Ausschlag, Anfall oder was auch immer. Es gibt ja sechs Sachen. Genau, darum empfiehlt es sich eben wirklich, dass man möglichst früh anfängt. Und aus dem Grund heraus, wenn nichts geregelt ist, dann kommt die Kasp. Das heisst, wenn man selber niemand beauftragt hat oder irgendwo abgeschrieben hat, wer das man gerne will, der zu diesen Sachen schaut, mit niemandem darüber geredet hat, dann kriege ich in den ersten Schritt den Ehepartner, der diese Aufgaben übernimmt. Wenn man keinen Ehepartner hat, dann kommt Kasp und bestimmt jemand. Das muss nicht zwangsläufig irgendeine anstehende Person sein. Das heisst, Kasp kann irgendjemand bestimmen per se, der das ganze Vermögen verwaltet. Es kann auch eine Person sein, die das als Dienst anbietet, die nichts mit ihr zu tun hat, dich nicht kennt und einfach sagt, ich entscheide da rein objektiv, obwohl ich die Person noch nie gesprochen habe. Genau. Das ist natürlich nachher immer so eine schwierige Ausgangslage. Meistens schaue ich schon, wie ich mitbekommen habe, dass sie irgendjemand aus einem näheren Umfeld nehmen können, den die Person auch kennt.
[9:55] Es ist auch so, dass man ziemlich klare Regelungen hat, bei dem Ablauf, den man dort eben Vormundschaft oder Beistandschaft oder so übernommen hat. Man muss auch klare Rechenschaft ablegen. Also es ist dann nicht so, dass dann irgendjemand da einfach mal das Geld abziehen kann und sich selber noch etwas überwiesen und machen, was man will. Sondern es ist dann auch wirklich so, dass für jede Handlung, die sie machen, ein Beleg vorhanden sein muss, eine Erklärung da sein und sie müssen auch Rechenschaft ablegen. Einmal pro Jahr, wo dann wirklich kontrolliert wird, ob sie wirklich im Auftrag von dieser Person am Arbeiten sind oder nicht. Also man kann dann auch nicht einfach, auch wenn man jetzt so eine Vorsorgeauftrage annimmt, kann man nicht einfach Geld abziehen oder irgendetwas und sich selber noch ein bisschen Geld überweisen. Man wird das Geld für die Arbeit bezahlt.
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