Baukonflikte entstehen selten plötzlich.
Sie entwickeln sich Schritt für Schritt – oft lange bevor jemand an Anwälte oder Gerichte denkt.
In der Abschlussfolge unserer Staffel „Bauen – aber bitte richtig!“ ziehen wir gemeinsam mit David W. Frei ein Fazit aus den vergangenen Episoden und werfen einen ehrlichen Blick darauf, warum Baukonflikte entstehen – und wie man viele davon vermeiden könnte.
Wir diskutieren:
- Warum Konflikte häufig bereits in der frühen Projektphase angelegt sind
- Welche Rolle Zeitdruck, Budgetgrenzen und Komplexität spielen
- Weshalb Verantwortung im Bauprozess oft weitergereicht wird
- Warum Präzision am Anfang später enorme Konflikte verhindern kann
- Und weshalb Gerichtsverfahren selten die beste Lösung für Bauprojekte sind
Eine Folge für alle, die aus dieser Staffel konkrete Erkenntnisse mitnehmen wollen –
und verstehen möchten, wie Bauprojekte strategisch besser geführt werden können.
Host: Milena Reinle
Gast: David W. Frei, Rechtsanwalt, lic. iur., LL.M
Transcript
[0:00] Hallo, das ist Milena, host des Podcasts «Kaffee im Paragrafen». Und heute zum Abschluss dieser Staffel bauen wir bitte richtig mit David. Hoi! Hoi, Milena! Und zwar ziehen wir noch ein bisschen ein Resümee mit. Was nehmen wir aus dieser ganzen Staffel mit? Wir haben uns ja mit sehr vielen Aspekten rund um das Bauen befasst. Von der Startphase, Bestellung, Pflichtenheften, Lücken, die wie so knallt, die überbordete Emotionen. Ich glaube, es hat von allem mit dabei gehabt, bis hin zu unfassbar aufwendigen Gutachten. Und jetzt habe ich darauf zurückgelegt, was kann man mitnehmen? Daraus aus als vielleicht Leihe, als jemand, der sich neu mit dieser Materie befasst, vielleicht die ersten paar Bauprojekte hinter sich hat. Was würdest du da mitgeben? Ja, ich glaube, zuerst muss man sich wirklich so überlegen, wieso hat es denn überhaupt die Baukonflikte? Wieso habt ihr vielleicht da zugenommen? Und da kann man sich überlegen, ja, wenn ich jetzt all die Episoden gelöst habe, war sie mich mit, um vielleicht auch so Konflikte zu vermeiden. Das ist so ein bisschen das. Ja, wir haben jetzt von verschiedenen auch gehört, jetzt auch gerade von Gian Piero, der ja auch unser Gast war.
[1:12] Was zugenommen hat in den letzten Jahren, ist sicher so eine Komplexität der Materie. Man hat verschiedene technische Normen, man hat irgendwelche Regulierungen, die reinspielen, man kann nicht einfach immer noch so drauf los bauen, was natürlich auch zu viel Konflikt führt. Was der eine wünscht, gerne hätte, der andere gerade nicht, das Getreibungsfläche, also die Komplexität. Was auch zugenommen hat, ist ein enormer Zeitdruck. Alles ist extrem durchgetaktet. Es hat fast keinen Spielraum mehr, um noch etwas situativ zu beheben oder sich die Zeit für eine saubere Lösung zu nehmen. Es ist immer tagtags zu entscheiden. Das Problem ist ja und man kann gar nicht mehr schauen, was eine sinnvolle Lösung ist.
[1:58] Und zu allem ist natürlich auch der immense Kostendruck. Also man hat ein Budget und man muss dann einfach möglichst viele das Budget hineinbringen. Und wenn es eigentlich zu mehr Kosten gibt, kommt, ob es mehr Aufwände, dann wird der Kuchen, die Teile eben nicht grösser, sondern versucht, die Kuchenstücke intern zu verteilen, dass irgendjemand einfach den Schwarzen Peter rüberkommt. Und diese Entwicklung führt wahrscheinlich dazu, dass man einfach eine Zunahme von Baukonflikten beobachten kann. Und das sehen wir einerseits als Anwälte, die Fälle, die bei uns auf dem Tisch landen, das haben wir jetzt aber auch gerade von unserem Gast, von Giampiero gehört, die das auch tatsächlich jetzt so in der Praxis beobachtet. Ja, also das Delegieren der Verantwortung, sich selbst zu schützen und es ist nicht mehr so ein Miteinander eine Lösung zu schaffen, sondern zu schauen, dass man sich schadlos hält, was ja irgendwo im einzelnen Verständnis verständlich ist, aber manchmal geht es ja halt um die Sache, um das Objekt, um den Prototyp, den man da erbaut, um das Gebäude und das, Wenn es nur noch darum geht, sich abzuwehren, ist auch eine Entwicklung, die nicht so positiv ist, wenn man es so will, oder? Ja, das ist schon so. Auch wenn es sich oder ihr da nutzen müssen, sind davon. Ja, das muss man schon sagen. Von jedem Streitfall profitiert ein Anwalt, das ist klar. Aber es geht jetzt nicht um das, wie können wir diese Konflikte vermeiden, oder? Ja, exakt.
[3:26] Selbst wenn es einen Konflikt gibt. Unsere Rolle auch darin, zu schauen, wie können wir denn irgendwie aussergerichtlich regeln oder wie finden wir irgendwie auch unternehmerisch eine sinnvolle Lösung, oder? Weil, das haben wir auch gehört, Bot-Konflikte können jahrelang gehen, oder? Und das ist auch eine Entwicklung, die wir in anderen Rechtsgebieten feststellen, dass der gesunde Menschenverstand auf der Strecke bleibt oder es ist jeder gegen jeden. Es ist nicht mehr so, wir haben ein gemeinsames Bot-Projekt, wir haben ein gemeinsames Ziel, nämlich die Fertigstellung von dem Werk. Also schauen wir doch auch gemeinsam, dass wir das über die Ziellinie bringen. Sondern es ist einfach ein Druck, der immer wieder weitergegeben wird. Vom Bo her, auf den Hauptunternehmer, auf Zubunternehmer, in verschiedenen Konstellationen. Und das führt zu dem Elbögel und einfach zu dem Weitergeben von der Verantwortung. Dass man möglichst auch schaut, dass er nicht kleben bleibt, dass man seine Haut retten kann. Und für das ist das immer zu Lasten auf Kosten von jemand anderem. Mhm.
[4:24] Ja, irgendeiner verliert in dieser Konstellation natürlich immer, weil es, wo geholfen wird, fallen Späne. Also ich glaube, es wird kein Bauprojekt geben, wo einfach alles lykos läuft. Es wird immer irgendeinen Termin geben, wo Schwierigkeiten verursacht. Das Material, das sich nicht so verhalten hat, wie es sollte. Oder eine Arbeit, die nicht in dem Tempo abgeschlossen werden kann, wie es geplant ist. Und dort ist halt dann, denke ich, auch eine Dynamik leiden. Oder auf der Baustelle selber, wenn man dann immer noch Schiss hat, dass man da jetzt dann gerade den Schwarzen Peter zugeschaut bekommt. Ja, das ist ein gutes Stichwort. Das ist natürlich so. Die Compliance-Mentalität, die Angst, dass man irgendetwas falsch machen könnte, führt zu, dass man natürlich halt schaut, okay, ich muss mehr dokumentieren. Also ich habe dann auch gerade kürzlich einem Klienten, einem Unternehmer empfohlen.
[5:18] Halt wirklich so einzelne Bauvorschritte für sich selber zu dokumentieren und dann irgendetwas hakt, nicht weitergeht, das auch dokumentieren und auch gerade schauen, wer ist schuld dafür, wer hat das zu verantworten und gegebenenfalls auch gerade abmahnen, einfach zum Verhindern letztlich, dass im Nachhinein irgendwo dann der Vorwurf an ihn kommt, ja, du bist geschuld oder du hast die Verzögerungen quasi zu verantworten und darum bist du für die Mühe, köst du selber verantwortlich und und und. Und ja, so ist man wirklich in der Haltung, dass man präventiv schon einen riesigen Aufwand betreiben muss, einfach aus dieser Angst heraus. Diese Zeit, die Ressourcen fehlen natürlich wieder anderweitig. Klar. Und dabei geht er komplett vergessen. Das hat man verschiedentlich gehört. Bauen ist ein Prozess. Und es ist immer noch irgendwie ein Handwerk, es ist nicht immer exakte Wissenschaft. Da muss man vielleicht auch mal ein wenig kreative Lösungen haben. Das bedingt es schon, dass man miteinander hinschauen kann und im Sinn des grösseren Ganzen eine Lösung zu finden. Und wenn man eben die Bereitschaft schon gar nicht hat, dann wird es halt wirklich schwierig. Sehr.
[6:28] Ich begleite ja den Podcast von Anfang an und jetzt auch den Staffelformat, wo ich mich mega Freude daran habe. Und es ist ja immer etwas, wo ihr sagt, schwarz auf eis, alles dokumentieren. Also es ist ja auch ein Stück weit dein Sinn jetzt, dass man mehr dokumentiert auf der Baustelle. Also man darf vielleicht auch ein bisschen von alles Freestyle und Handschlag auch ein bisschen wegkommt. Aber wenn jetzt du so ein bisschen menschlich das Ganze auch anschauen und natürlich einmal mit der Anwaltskappe nach, wo würdest du jetzt da ansetzen, wo du sagst, hey, da kann man wirklich wieder ein bisschen mehr Mut zur Lücke beweisen oder auch einfach das Handwerk sein lassen?
[7:08] Das ist eine schwierige Frage. Also ich glaube, es ist auch so ganz am Anfang, wenn man den Werkvertrag hat, man hat eine Schlussverhandlung über die zu leistenden Gewerke und die Inhalte davon. Ich glaube, dort muss man exakt sein. Das ist wirklich einfach irgendwo schwierig, weil wenn man dort etwas verpasst, dann ist es verpasst und dann im Nachhinein Unklarheiten auszuräumen, das ist nicht mehr möglich, das Fenster schiesst sich dann irgendwo. Ich glaube, wo man einen Spielraum hat, ist am Schluss bei den Mängeln, Mängelrührung und auch die Frage, wie kann man jetzt einen Mangel beheben.
[7:49] Dort ist es ein Naturprodukt, ein Handwerk und es ist natürlich nicht alles wie aus einem 3D-Drucker und so weiter. Also auch von dort kommt es notabene nicht perfekt. Das kommt noch dazu. Aber all diese Geschichten, dass es auf einer Fläche anders aussieht, als jetzt einfach irgendwie ein kleines Teilchen, oder dass sich auch etwas aufgrund von Witterungsverhältnissen in der Optik verändert und so weiter. Ich glaube, dort gesunden Menschenverstand waltend zu lassen, dort hat man sicher den Spielraum. Dass man nicht gerade mit der Anwalt aufeinander losgeht, sondern überlegt, okay, das ist nicht so schön, können wir das noch mal nachbessern. Einfach eine sinnvolle, vernünftige Lösung. Auch mit dem Hintergedanken, man kann es nie perfekt machen. Es hat halt eine gewisse Toleranz. Aber solange es jetzt die Toleranzgrenze ist und alle mitwirken, um das unkompliziert nachbessern, ja, dort hat man sicher Möglichkeiten, auch Konflikte zu vermeiden. Also man sich auch auf der menschlichen Ebene begegnet und das thematisiert und nicht eigentlich in einem stillen Kämmerchen alle Mängel aufschneidet und dann gerade mit dem Anwalt anrückt, sondern da eigentlich offen Gespräch sucht, das hätte ich noch gesehen.
[9:05] Können wir die Baustelle durchgehen, weil da verschiedene Punkte. Und dass man das auch frühzeitig anmerkt, wenn schon ein Kapp geflossen ist und der Unternehmen gar nicht mehr auf der Baustelle tätig ist. Genau, ich wollte nicht sagen, dass man sich überall die Formalitäten wegsetzen soll und dann spürst du mich, fühlst du mich, nach Lösungen suchen soll. Letztlich ist man immer noch in den Formalitäten mit diesen ruhigen Fristen. Und wie du richtig sagst, also wenn man so eine Lösung suchen will, wo man einfach halt im gemeinsamen Gespräch und man sitzt an, man schaut da, wie findet man etwas, dann muss man das frühzeitig machen, weil sonst hat man dann nachher ein Zeitproblem, wenn man dann 5 vor 12 hat man noch nicht gerügt, die Frist läuft langsam ab und dann nach kurzfristig irgendwie so eine Lösung zu finden, ist dann sehr schwierig. Also besser müsste man halt schauen, dass man einfach ein bisschen mehr Zeit hat für die Verhandlung, für die Lösungsfindung. Und ja, sonst ist man halt dann wirklich gleich wieder in dem Spiel gefangen, wenn man am Schluss nicht einfach den Sparzt Peter entgegen nehmen will, dass man halt wirklich zu dumm ist, abzumahnen. Es ist einfach, ja, es ist ein Spiel und die Spielregeln haben sich ein Stück weit so entwickelt und als Einzelnen jetzt dagegen zu halten, ist natürlich auch brutal schwierig.
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